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Ihr Netzbetreiber fragt an, ob Sie flexible Leistung bereitstellen können. Ihr Berater erwähnt das Thema in jedem zweiten Satz. Und Sie denken: wahrscheinlich schon, aber wie viel? In Kilowatt, für wie lange, und ohne dass die Produktion steht oder morgen ein Lkw leer auf dem Hof bleibt.

Diese Frage lässt sich beantworten. Sie brauchen kein Studium dafür, sondern Ihre eigenen Viertelstundenwerte und jemanden, der weiß, wie lange Ihre Prozesse warten können. Es folgen die Definition, die Formel und zwei Rechenbeispiele.

TL;DR

Fast jedes Unternehmen mit einem Großanschluss verfügt über flexible Leistung. Sie ist nur nirgends erfasst.

  • Flexible Leistung ist Leistung, die Sie zeitweise hoch- oder herunterfahren können, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden
  • Sie messen sie in kW und in Stunden: 200 kW über fünf Minuten sind etwas anderes als 200 kW über vier Stunden
  • Im Rechenbeispiel unten stecken in einem Verteilzentrum mit zwölf Ladepunkten, einer Batterie und Kälteanlagen 910 kW flexible Leistung
  • Der Leistungspreis in der Mittelspannung liegt 2026 je nach Netzbetreiber bei etwa 115 bis 185 € pro kW und Jahr, eine Reduktion um 480 kW ist also ein fünfstelliger Betrag
  • Anders als in den Niederlanden zählt in Deutschland die Jahreshöchstleistung, nicht die Monatsspitze

Ihre Flexibilität ist längst vorhanden. Die Frage ist, ob sie jemand steuert.

Was ist flexible Leistung?

Sie verfügen über flexible Leistung, wenn Sie Ihren Verbrauch oder Ihre Einspeisung zu Zeiten hoher Netzbelastung zeitweise erhöhen oder verringern können. Damit helfen Sie, eine Überlastung zu vermeiden.

Drei Wege dorthin:

  • Ihre PV- oder Windanlage zeitweise abregeln oder aktivieren
  • Verbrauchsspitzen auf einen anderen Zeitpunkt verlagern
  • Einen Speicher einsetzen, um Strom aufzunehmen oder einzuspeisen

Entscheidend in dieser Definition ist das Wort zeitweise. Flexible Leistung bedeutet nicht, weniger Energie zu verbrauchen. Sie verbrauchen dieselbe Energie zu einem anderen Zeitpunkt. Die Lkw werden trotzdem geladen, das Kühlhaus hält seine Temperatur, die Charge wird fertig. Nur nicht alles um 08:15 Uhr.

Genau deshalb haben die meisten Unternehmen mehr davon als vermutet. Kaum ein Standort nutzt seine volle Anschlussleistung den ganzen Tag über. Die Spitze steckt in einer Handvoll Viertelstunden pro Monat, und in diesen Viertelstunden läuft meist etwas, das warten kann.

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Die Formel: kW mal Stunden

Flexible Leistung wird fast immer in kW angegeben, und das ist nur die Hälfte der Rechnung. 250 kW Batterieleistung, die nach zwanzig Minuten erschöpft sind, lösen keinen Netzengpass von zwei Stunden.

Ermitteln Sie deshalb pro Anlage zwei Größen:

  • 1
    Wie viele kW Sie hoch- oder herunterfahren können, ohne den Prozess zu beeinträchtigen
  • 2
    Wie lange Sie das durchhalten

Anschließend addieren Sie die Anlagen und prüfen, was bei einer Dauer von einer, zwei und vier Stunden übrig bleibt. Netzengpässe dauern in der Regel einige Stunden, diese drei Blöcke liefern Ihnen also ein belastbares Bild.

Das Ergebnis ist keine einzelne Zahl, sondern ein Profil. Und dieses Profil verschiebt sich mit Tageszeit, Jahreszeit und Auslastung. An einem Freitagnachmittag im Juli verfügen Sie über eine andere flexible Leistung als an einem Montagmorgen im Januar.

Rechenbeispiel 1: Verteilzentrum

Ein Beispielstandort, angelehnt an ein Profil, das wir in der Logistik häufig sehen:

Rechenbeispiel Verteilzentrum
Position
Wert
Anschlussleistung
1.250 kW
Grundlast außerhalb der Spitzenzeiten
400 kWKälteanlagen und Beleuchtung
Jahreshöchstleistung im Vorjahr
1.180 kW
Ladeinfrastruktur
12 × 150 kWGleichzeitig auf 600 kW begrenzt
Dach-PV
600 kWp
Batterie
500 kWh / 250 kW

Die installierte Ladeleistung von 1.800 kW liegt über dem, was der Anschluss tragen kann. Das ist üblich: eine Load-Balancing-Ebene hält die Summe innerhalb der Grenze, hier bei 600 kW.

Die Spitze von 1.180 kW fällt zwischen 07:00 und 09:00 Uhr: 400 kW Grundlast, 600 kW Ladevorgänge und 180 kW für die anlaufende Sortieranlage. Die PV-Anlage trägt in diesem Moment nichts bei, denn die Jahresspitze fällt auf Wintermorgen. PV senkt Ihre Energiekosten, aber nicht Ihre Morgenspitze.

Was lässt sich aus dieser Viertelstunde herausnehmen?

  • Ladevorgänge verschieben: 600 kW, vier Stunden. Die Lkw stehen neun Stunden auf dem Hof und benötigen fünf Ladestunden, daraus ergeben sich vier Stunden Spielraum. Das System muss allerdings wissen, welcher Lkw wann abfährt.
  • Batterie entladen: 250 kW, zwei Stunden. 500 kWh geteilt durch 250 kW, und das ist die theoretische Obergrenze. Rechnen Sie in der Praxis mit etwas weniger, wegen Wirkungsgradverlusten und der Reserve, die Sie vorhalten.
  • Kälteanlagen vorkühlen: 60 kW, eine Stunde. Ein Grad zusätzlich vor der Spitze. Optional, und nur wenn die verantwortliche Betriebsführung das Toleranzband festlegt.

Bei einer Stunde Dauer: 910 kW flexible Leistung. Bei zwei Stunden: 850 kW. Bei vier Stunden: 600 kW.

Davon benötigen Sie 480 kW, um die Spitze von 1.180 kW auf 700 kW zu senken, und das schaffen die Ladevorgänge und die Batterie allein. Der Rest ist Reserve für Tage, die anders verlaufen als geplant.

Der Leistungspreis im Netzentgelt wird auf die Jahreshöchstleistung abgerechnet. In der Mittelspannung liegt er 2026 bei einer Jahresbenutzungsdauer ab 2.500 Stunden je nach Netzbetreiber bei etwa 115 bis 185 € pro kW und Jahr (Preisblätter der Westnetz). Für 480 kW sind das rund 55.000 bis 88.000 € pro Jahr. Die Spannweite zwischen den Netzgebieten ist erheblich, prüfen Sie Ihren Wert also im Preisblatt Ihres Netzbetreibers.

Weil die Jahresspitze zählt und nicht die Monatsspitze, macht eine einzelne unbeaufsichtigte Viertelstunde im November die Einsparung des ganzen Jahres zunichte. Peak Shaving ist in Deutschland deshalb eine Frage der Steuerung, nicht der Absicht. Ob eine Anschlusserweiterung oder eine intelligente Steuerung mehr bringt, behandeln wir in unserem Beitrag Netzanschluss verstärken oder intelligent steuern.

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Rechenbeispiel 2: Fertigungsbetrieb

Kleinerer Anschluss, andere Art von Flexibilität. Der Standort hat eine Anschlussleistung von 800 kW, eine Grundlast von 250 kW und eine Jahreshöchstleistung von 780 kW. An Anlagen: eine Batterie mit 300 kWh und 150 kW, 400 kWp Dach-PV und sechs Mitarbeiterladepunkte mit 22 kW.

Hier steckt die Flexibilität vor allem im Prozess selbst:

  • Chargenprozess verschieben: 180 kW, zwei Stunden. Ein Ofen oder eine Mischanlage, die Sie zwei Stunden später starten, sofern die Produktionsplanung Spielraum hat.
  • Batterie: 150 kW, zwei Stunden.

  • Druckluft und Kühlturm: 90 kW, dreißig Minuten. Den Behälter vorab auf Druck bringen, danach kurz nicht nachspeisen.

  • Mitarbeiterladepunkte: 90 kW, vier Stunden. Sechs Punkte mit 22 kW ergeben maximal 132 kW; 90 kW sind eine realistische gleichzeitige Last am Morgen. Die Fahrzeuge stehen den ganzen Tag, das ist also die günstigste Flexibilität, die Sie haben.

Bei einer Stunde Dauer: 510 kW. Bei zwei Stunden: 420 kW.

Die Spitze sinkt von 780 kW auf etwa 400 kW, eine Reduktion um 380 kW. Beim gleichen Leistungspreis sind das rund 43.000 bis 70.000 € pro Jahr. Ein Nebeneffekt: sinkt die Spitze bei gleichem Verbrauch, steigt Ihre Jahresbenutzungsdauer. Sie bleiben also im günstigen Band ab 2.500 Stunden. Mehr zum Vorgehen je Prozessschritt lesen Sie in unserem Beitrag Spitzenlast senken in der Fertigungsindustrie.

Ein individuelles Netzentgelt nach § 19 Abs. 2 StromNEV kann zusätzlich in Frage kommen, wenn Ihr Verbrauchsverlauf atypisch zur Netzhöchstlast liegt. Das ist immer eine Einzelfallprüfung mit Ihrem Netzbetreiber.

Wärme- und Kälteanlagen, Wärmepumpen und Klimatechnik können in diese Liste aufgenommen werden. Wir steuern sie, wo es gewünscht ist, immer in Abstimmung mit dem Gebäudeverantwortlichen und innerhalb der Komfortgrenzen, die er festlegt. Standard ist es nicht.

Was Sie brauchen, um es genau zu wissen

Mit den Rechenbeispielen oben kommen Sie weit, doch drei Dinge entscheiden, ob die Zahl in der Praxis Bestand hat.

  • Viertelstundenwerte über ein ganzes Jahr. Ihre Spitze steckt in einer Handvoll Viertelstunden. Eine Monatsübersicht zeigt sie nicht. Fordern Sie die Rohwerte bei Ihrem Messstellenbetreiber an.
  • Prozessgrenzen auf Papier. Wie weit darf ein Kühlhaus auflaufen? Welcher Lkw muss um 05:30 Uhr abfahren? Ohne diese Grenzen ist jede Flexibilitätsrechnung Theorie, und niemand im Betrieb lässt ein System eingreifen.
  • Eine Steuerung, die es umsetzt. Flexible Leistung auf Papier bringt nichts ein. Etwas muss alle fünf Minuten entscheiden, welche Anlage wann nachregelt, auf Basis von Preis, Wetter, erwarteter Last und dem Ladebedarf der nächsten Schicht. Manuell ist das nicht leistbar, und feste Zeitschaltungen hängen hinterher, sobald sich etwas ändert. Tibo EMS berechnet den Fahrplan alle fünf Minuten für die kommenden 48 Stunden neu und hält die Gesamtlast innerhalb der Grenze, die Sie setzen.

Bei einem niederländischen Netzbetreiber führte dieser Ansatz zu 45 % niedrigeren Energiekosten und 50 % weniger Emissionen, ohne zusätzliche Netzkapazität zu beantragen. Weitere Beispiele finden Sie in unseren Kundenreferenzen.

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Was Sie mit Ihrer flexiblen Leistung tun können

Kurz, denn jede dieser Routen verdient einen eigenen Beitrag:

  • Innerhalb des eigenen Anschlusses bleiben. Der einfachste und sicherste Wert. Siehe auch unseren Beitrag zu Peak Shaving.
  • Steuerbare Verbrauchseinrichtungen anmelden. Für Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und Speicher gibt es reduzierte Netzentgelte, wenn der Netzbetreiber im Bedarfsfall eingreifen darf. Was dahintersteckt, erklären wir in unserem Beitrag zu Paragraph 14a.
  • Am Markt vermarkten. Über einen Congestion Service Provider oder am Regelenergie- und Day-Ahead-Markt. Wie Engpassmanagement grundsätzlich funktioniert, lesen Sie in unserem Beitrag zum Engpassmanagement.
  • Raum für Wachstum schaffen. Wenn der Netzanschluss Ihres Verteilzentrums ausgereizt ist, ist das oft der wichtigste Punkt: zusätzliche Ladepunkte oder eine neue Produktionslinie innerhalb desselben Anschlusses.

Von der Schätzung zur Zahl

Die meisten Unternehmen unterschätzen ihre flexible Leistung, einfach weil sie noch nie berechnet wurde. Mit Ihren Viertelstundenwerten aus dem Vorjahr bauen wir eine digitale Kopie Ihres Standorts und lassen den Fahrplan auf Ihrem tatsächlichen Verbrauch laufen. Sie sehen dann, wie viele kW Sie zu welchem Zeitpunkt freisetzen können, was das an Leistungspreis spart und wie viel Raum für Erweiterung bleibt.

Möchten Sie wissen, was in Ihrem Anschluss steckt? Fragen Sie eine Demo an, dann gehen wir Ihr Profil gemeinsam durch.

Veelgestelde vragen

Flexible Leistung ist Leistung, die Sie in Zeiten hoher Netzbelastung zeitweise erhöhen oder verringern können. Möglich ist das durch Abregeln oder Aktivieren der Erzeugung, durch Verlagern von Verbrauchsspitzen oder durch den Einsatz eines Speichers. Sie verbrauchen dieselbe Energie, nur zu einem anderen Zeitpunkt.

Ermitteln Sie pro Anlage, wie viele kW Sie hoch- oder herunterfahren können und wie lange Sie das ohne Beeinträchtigung des Prozesses durchhalten. Addieren Sie diese Werte für eine Dauer von einer, zwei und vier Stunden. Nutzen Sie dafür Viertelstundenwerte eines ganzen Jahres, denn Ihre Spitze steckt in wenigen Viertelstunden.

Der Leistungspreis im Netzentgelt wird auf die höchste im Kalenderjahr bezogene Leistung abgerechnet. Eine einzelne Viertelstunde bestimmt damit den Leistungspreis für zwölf Monate. Deshalb reicht es nicht, Spitzen gelegentlich zu vermeiden; die Steuerung muss durchgehend greifen.

Nicht, wenn die Grenzen vorab festgelegt sind. Sie bestimmen, wie weit ein Kühlhaus auflaufen darf, welcher Lkw wann voll sein muss und welche Prozesse unangetastet bleiben. Die Steuerung arbeitet innerhalb dieser Grenzen.

Nein. Ladeinfrastruktur, Kälteanlagen, Druckluft und verschiebbare Chargenprozesse sind längst vorhanden und liefern an vielen Standorten den größten Teil der Flexibilität. Eine Batterie ergänzt Leistung, die Sie jederzeit einsetzen können, auch wenn sich gerade nichts verschieben lässt. Voraussetzung ist sie nicht.

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