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Sie erweitern. Eine zusätzliche Produktionslinie, zwanzig Ladepunkte für die Transporter, eine neue Kälteanlage. Ihr Installateur rechnet die Leistung durch und kommt zu dem Ergebnis, das Sie längst geahnt haben: Das passt nicht in Ihren bestehenden Anschluss.

Also rufen Sie den Netzbetreiber an und fragen nach einem größeren. Damit beginnt das Gespräch über Fristen, Baukostenzuschüsse und Ihre Position in der Warteschlange.

Die Frage, die dabei fast nie gestellt wird: Brauchen Sie diese zusätzliche Leistung tatsächlich, oder haben Sie eine Lastspitze von drei Stunden, die sich auch anders lösen lässt?

TL;DR

Eine Verstärkung ist nicht falsch. Sie ist nur meist teurer und langsamer als die Alternative, und die Alternative rechnet niemand durch.

  • Ein stärkerer Anschluss erhöht Ihr Leistungsentgelt dauerhaft, auch in den Monaten, in denen die Reserve ungenutzt bleibt
  • Wo keine Netzkapazität verfügbar ist, ist eine Verstärkung kurzfristig überhaupt keine Option
  • Eine Verstärkung verschiebt Ihre Obergrenze, ändert aber nichts am Verhalten, das diese Obergrenze erreicht
  • An vielen Standorten ist die Höchstlast ein Ausschlag von wenigen Stunden, keine strukturelle Last
  • Am Standort von Enexis in Best ergab die Simulation 45 % geringere Energiekosten und 50 % weniger Emissionen, ohne zusätzliche Netzkapazität

Sie kaufen keine Leistung. Sie kaufen die Sicherheit, dass Ihre Lastspitze Ihre Grenze nie überschreitet. Das leistet Steuerung ebenfalls.

Warum ein größerer Vertrag Ihr Problem nicht immer löst

Es gibt drei Gründe, warum eine Verstärkung häufiger ein Umweg als eine Lösung ist.

  • 1

    Die Kapazität ist nicht vorhanden.

    In vielen Netzgebieten ist die verfügbare Transportkapazität bereits vergeben. Steht Ihr Gebiet unter Vorbehalt, dann bemisst sich die Frist nicht in Monaten. Über die versteckten Kosten des Wartens auf ein Netz-Upgrade haben wir bereits geschrieben: gebundenes Kapital, aufgeschobene Elektrifizierung, Dieselfahrzeuge, die Jahre länger laufen als geplant.

  • 2
    Sie zahlen für Stunden, die Sie nicht nutzen. Viele Gewerbestandorte berühren ihre Anschlussgrenze nur an einigen Stunden pro Woche. In der restlichen Zeit liegt Reserve ungenutzt brach, weil die Assets unabhängig voneinander arbeiten. Die Photovoltaikanlage speist ein, während die Ladesäulen warten. Der Batteriespeicher ist leer, wenn die Produktionsspitze kommt.
  • 3
    In zwei Jahren stehen Sie wieder hier. Ein größerer Anschluss verschafft Ihnen Luft, aber keine Verhaltensänderung. Kommt eine weitere Ladesäule oder eine Wärmepumpe hinzu, sind Sie erneut an der Grenze, und das Gespräch mit dem Netzbetreiber beginnt von vorn.

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Verstärkung bedeutet nicht immer dasselbe

Bevor Sie rechnen, sollten Sie wissen, was Sie genau beantragen. Ihr Anschluss hat zwei Größen, die regelmäßig verwechselt werden: die physische Kapazität von Kabel und Transformator, und Ihre vertraglich vereinbarte Leistung, für die Sie ein Leistungsentgelt zahlen.

Eine Verstärkung kann also eine reine Vertragsanpassung innerhalb bereits vorhandener physischer Reserve sein. Das kann zügig gehen. Oder sie bedeutet ein neues Kabel, einen größeren Transformator oder Arbeiten im vorgelagerten Netz. Dann ist es ein Infrastrukturprojekt. Hinzu kommt in diesem Fall ein Baukostenzuschuss für die höhere Anschlussleistung, wie die Bundesnetzagentur zum Thema Netzanschluss erläutert.

In beiden Fällen steigt Ihr Leistungsentgelt strukturell. Es ist ein fester Betrag pro Kilowatt und Jahr, unabhängig vom Verbrauch. Fragen Sie Ihren Netzbetreiber daher immer, welcher der beiden Fälle auf Ihren Antrag zutrifft, bevor Sie eine Frist in Ihre Planung aufnehmen.

Wann eine Verstärkung tatsächlich richtig ist

Intelligente Steuerung ist kein Allheilmittel. Es gibt Situationen, in denen ein größerer Anschluss die einzige belastbare Antwort ist:

  • 1
    Ihre Grundlast steigt strukturell. Eine neue Halle im Dauerbetrieb oder ein Elektroofen mit konstantem Leistungsbedarf. Dann bleibt kein Tal, in das sich die Spitze verschieben ließe.
  • 2
    Die Spitze ist kein Ausschlag, sondern ein Plateau. Läuft Ihre Höchstlast acht Stunden täglich, ist sie kein Ausreißer mehr, sondern Ihr neuer Normalzustand.
  • 3
    Sie haben keine flexiblen Assets. Ohne Batteriespeicher, Ladepunkte, Kälte- oder Wärmeanlage gibt es nichts zu steuern. Steuerung funktioniert nur, wenn sich etwas verschieben lässt.
  • 4
    Ihr Betrieb lässt keinerlei Verschiebung zu. Manche Prozesse sind fest an einen Zeitpunkt gebunden und verkraften auch keine fünfzehn Minuten Verzug.

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Was eine Verstärkung über zehn Jahre kostet

Die Wahl zwischen Verstärkung und Steuerung ist keine Grundsatzfrage. Sie ist eine Rechnung, und diese Rechnung können Sie aufstellen, bevor Sie sich festlegen. Nehmen Sie einen Standort mit 630 kVA, der auf 1.250 kVA gehen möchte.

Beispielrechnung über zehn Jahre
Netzanschluss verstärken
Intelligent steuern
Anschlussleistung
Von 630 auf 1.250 kVA
Bleibt bei 630 kVA
Zusätzlich vereinbarte Leistung
Rund 590 kW
Keine
Leistungsentgelt
45 € pro Kilowatt und Jahr
Unverändert
Kosten pro Jahr
Rund 26.500 € zusätzlich, ob Sie die Reserve nutzen oder nicht
Jährliches Abonnement, keine Erhöhung Ihres Netzentgelts
Über zehn Jahre
265.000 € Leistungsentgelt
Abonnementskosten im gleichen Zeitraum
Einmalige Kosten
Anschlusskosten samt Baukostenzuschuss, bei baulichen Maßnahmen schnell sechsstellig
Keine Netzinvestition
Zeitrahmen
Richtwert: Monate bis mehrere Jahre, je nach Engpasssituation
Keine Warteschlange beim Netzbetreiber
Was Sie dafür bekommen
Eine höhere Obergrenze
Eine Lastspitze, die unter Ihrer bestehenden Grenze bleibt
Indikative Beispielwerte. Entgelte unterscheiden sich je Netzbetreiber und Netzebene.

Legen Sie daneben Ihre Viertelstundenwerte des vergangenen Jahres. Die liegen Ihnen über Ihren Messstellenbetreiber vor. Schauen Sie nicht auf die Durchschnittslast, sondern auf die Verteilung: An wie vielen Jahresstunden liegen Sie über 80 % Ihrer Anschlussleistung? An vielen Standorten fällt diese Antwort überraschend niedrig aus, und dann finanzieren Sie mit diesen 400.000 € einige hundert Stunden pro Jahr.

Lassen sich diese Stunden wegsteuern?

Das hängt von drei Punkten ab. Erstens davon, ob Ihre Lastspitze kurz und vorhersehbar ist, etwa ein Ladefenster zwischen sechs und neun Uhr morgens oder eine Anfahrspitze nach dem Wochenende. Zweitens davon, ob es etwas zu koordinieren gibt: Ab dem dritten Asset an einem Anschluss rechnet sich Abstimmung über Load Balancing und Peak Shaving. Drittens davon, was Ihr Betrieb zulässt. Welches Asset kann eine halbe Stunde später laufen, welches eine Stunde früher, welches gar nicht? Dieses Gespräch führen Sie mit Ihren eigenen Leuten, nicht mit Ihrem Energieberater. Die Steuerung von Klimaanlagen oder Wärmepumpen ist dabei eine Option, die Sie ausdrücklich mit dem Gebäudeverantwortlichen abstimmen, kein Automatismus.

Liegen Sie in einem Engpassgebiet, kommt eine Chance hinzu: Über Engpassmanagement kann Ihre Flexibilität zur Einnahmequelle statt zum Kostenblock werden.

Beide Szenarien lassen sich in einer Energiesimulation auf Ihren eigenen Daten durchrechnen: Wir lassen den Steuerungsplan auf Ihrem tatsächlichen Verbrauch des Vorjahres laufen und Sie sehen, ob Sie innerhalb Ihrer bestehenden Grenze bleiben. Die Ergebnisse sind indikative Schätzungen auf Basis historischer Daten, keine Garantie, aber deutlich belastbarer als eine Annahme.

Was das in der Praxis bedeutet

Beim Netzbetreiber Enexis in Best stand genau diese Frage im Raum. Am Standort von Enexis in Best ergab die Simulation 45 % geringere Energiekosten und 50 % weniger Emissionen, ohne zusätzliche Netzkapazität. Das kommt nicht von selbst: Tibo EMS blickt 48 Stunden voraus auf Preis, Wetter und Verbrauch und berechnet alle fünf Minuten den Steuerungsplan für sämtliche Assets neu. Sie setzen die Grenze, das System bleibt darunter.

Ist Ihr Anschluss bereits ausgereizt, wie an vielen Verteilzentren, entscheidet das häufig darüber, ob Sie Jahre warten oder im nächsten Quartal weiterbauen.

Möchten Sie wissen, wie viel Reserve in Ihrem Anschluss liegt? Wir rechnen es auf Ihren eigenen Viertelstundenwerten durch und zeigen Ihnen, welches Szenario günstiger ausfällt.

Häufig gestellte Fragen

Das unterscheidet sich stark je nach Standort. In Gebieten ohne Engpass lässt sich eine Vertragserhöhung innerhalb weniger Monate regeln. Sind bauliche Maßnahmen nötig oder liegt Ihr Standort in einem Engpassgebiet, steigt die Frist auf mehrere Jahre. Ihr zuständiger Netzbetreiber gibt dazu eine erste Einschätzung.

Ja, und das ist häufig der klügste Weg. Ihr Antrag beim Netzbetreiber läuft weiter, während Sie mit Steuerung innerhalb Ihrer bestehenden Grenze bereits erweitern. Erweist sich die Verstärkung als unnötig, ziehen Sie den Antrag zurück. Ist sie doch erforderlich, haben Sie die Zwischenzeit wenigstens nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Bei einer Verstärkung beantragen Sie mehr Leistung für Ihren eigenen Anschluss. Bei einer gemeinsamen Transportkapazität teilen mehrere Parteien die verfügbare Kapazität an einem Standort untereinander auf. Das ergänzt Steuerung, ersetzt sie aber nicht: Ohne EMS ist die Vereinbarung über die Aufteilung nicht durchsetzbar.

Ihr Netzbetreiber stellt die Überschreitung in Rechnung und kann bei Wiederholung Ihren Vertragswert anpassen. Im schlechtesten Fall löst die Schutzeinrichtung aus. Ein EMS verhindert Überschreitungen, indem es die Gesamtlast aktiv unter Ihrer Grenze hält.

Nicht zwingend. Ladepunkte, Kälte- und Klimaanlagen sind ebenfalls flexibel und bringen bereits ohne Speicher Einsparungen. Ein Batteriespeicher erweitert den Spielraum, ist aber keine Voraussetzung für den Start.

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