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Ihr Gewerbegebiet hat einen funktionierenden Energiehub auf dem Papier. Die Technik steht bereit: Photovoltaik auf den Dächern, ein gemeinsamer Batteriespeicher, Ladepunkte für die Lkw. Doch jedes Unternehmen ist an einen eigenen Transportvertrag mit dem Netzbetreiber gebunden. Die Summe dieser Verträge übersteigt, was das lokale Netz leisten kann. Das Ergebnis: Warteliste, keine zusätzliche Kapazität, kein Wachstum.

Die groepstransportovereenkomst, kurz niederländische GTO, durchbricht diese Blockade. Es handelt sich um ein niederländisches Vertragsmodell, das es mehreren Unternehmen ermöglicht, einen gemeinsamen Transportvertrag mit dem Netzbetreiber abzuschließen. Nicht auf Basis der Summe einzelner Lastspitzen, sondern auf Basis dessen, was die Gruppe tatsächlich gleichzeitig benötigt.

TL;DR

Ein Energiehub kann technisch und organisatorisch ausgereift sein. Ohne den passenden Vertrag mit dem Netzbetreiber bleibt die verfügbare Kapazität jedoch unerreichbar. Die niederländische GTO ist das fehlende Bindeglied.

  • Fünf Unternehmen mit jeweils 500 kW Vertragsleistung ergeben zusammen 2.500 kW. Ihre tatsächliche gleichzeitige Lastspitze beträgt 1.800 kW. Eine niederländische GTO kontrahiert auf diese 1.800 kW und macht 700 kW für Wachstum frei.
  • Ab dem 1. Januar 2027 sind niederländische Netzbetreiber verpflichtet, die niederländische GTO als Vertragsmodell anzubieten. Die ersten Verträge laufen bereits, unter anderem am Kempisch Bedrijvenpark in Zusammenarbeit mit Enexis.
  • Alle Netzbetreiber setzen ein Energiemanagementsystem (EMS) als Voraussetzung. Ohne Echtzeitsteuerung lässt sich nicht nachweisen, dass die Gruppe innerhalb der kontrahierten Kapazität bleibt.
  • Eine niederländische GTO ist keine schnelle Lösung. Sie benötigen eine juristische Person, gegenseitige Vereinbarungen über Verteilung und Haftung sowie Telemetrie an jedem Anschluss.
  • Der zuvor vorgeschlagene Aufschlag von Faktor 1,21 auf Netztarife wurde von der ACM (niederländische Regulierungsbehörde) gestrichen. Es fällt keine Prämie für den gemeinsamen Vertrag an.

Die niederländische GTO verwandelt einen Energiehub auf dem Papier in einen, der vertraglich betrieben werden darf. Gewerbegebiete, die jetzt beginnen, sichern sich Kapazität, die andernfalls jahrelang ungenutzt bleibt.

Warum einzelne Transportverträge für einen Energiehub nicht funktionieren

Jedes Unternehmen auf einem Gewerbegebiet schließt standardmäßig einen eigenen Transportvertrag mit dem Netzbetreiber ab. Darin ist die Vertragsleistung festgelegt: die maximale Leistung in Kilowatt, die jederzeit bezogen oder eingespeist werden darf.

Das Problem liegt in der Arithmetik. Ein Logistikunternehmen hat seine Lastspitze abends, wenn die Lkw laden. Der Hersteller nebenan läuft tagsüber auf Volllast. Das Büro gegenüber erreicht sein Maximum um die Mittagszeit. In der Praxis nutzt kaum jemand gleichzeitig die volle kontrahierte Leistung. Das Netz muss jedoch das theoretische Szenario berücksichtigen, in dem alle dies gleichzeitig tun.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Unterschied. Fünf Unternehmen auf einem Gewerbegebiet haben jeweils 500 kW kontrahiert. Der Netzbetreiber reserviert 2.500 kW am lokalen Umspannwerk. Die höchste gleichzeitige Lastspitze dieser fünf Unternehmen beträgt jedoch nur 1.800 kW. Es werden also 700 kW reserviert, die nie gleichzeitig genutzt werden. Diese 700 kW stehen nicht zur Verfügung: weder für das sechste Unternehmen auf der Warteliste, noch für die zwanzig Ladepunkte, die der Logistikdienstleister installieren möchte, noch für den Batteriespeicher, der den Hub wirtschaftlich tragfähig machen würde.

Genau hier setzt die niederländische GTO an.

Tibo EMS als oplossing voor energiehubs op bedrijventerreinen

Wie die niederländische GTO funktioniert

Die niederländische GTO ersetzt die einzelnen Transportverträge durch einen gemeinsamen Vertrag zwischen der Gruppe und dem Netzbetreiber. Der Netzbetreiber ermittelt auf Basis einer Netzplanungsanalyse die Gruppenvertragsleistung: die maximale Leistung, die die Gruppe insgesamt beziehen oder einspeisen darf.

Drei Dinge ändern sich. Drei Dinge bleiben gleich.

  • Was sich ändert
    Der Transportvertrag wird kollektiv. Die Gruppe schließt über eine juristische Person (zum Beispiel eine Energiegenossenschaft) einen einzigen Vertrag mit dem Netzbetreiber ab. Die kontrahierte Leistung basiert auf der tatsächlichen Gleichzeitigkeit der Lastspitzen, nicht auf der Summe der Einzelmaxima. Die Gruppe bestimmt intern, wie die verfügbare Kapazität verteilt wird, geregelt durch eine gegenseitige Vereinbarung.

  • Was gleich bleibt
    Jedes Unternehmen behält seinen eigenen physischen Netzanschluss. Jedes Unternehmen behält seinen eigenen Anschlussvertrag. Jedes Unternehmen behält seinen eigenen Energielieferanten.

    Im obigen Rechenbeispiel würde die niederländische GTO die Gruppenleistung auf 1.800 kW statt 2.500 kW festlegen. Die freigewordenen 700 kW sind sofort verfügbar. Keine Warteliste, kein Netzausbau.

Was Sie für eine niederländische GTO benötigen

Eine niederländische GTO ist kein Formular, das Sie ausfüllen. Sie ist das Schlussglied eines Prozesses, der mit Zusammenarbeit beginnt und mit einem funktionierenden System endet. Die Voraussetzungen, wie sie Netzbetreiber wie Enexis und Stedin beschreiben:

  • Technisch: Alle Teilnehmer müssen über einen Großverbraucher-Netzanschluss (über 3 x 80 Ampere) verfügen und hinter demselben Umspannwerk liegen. An jedem Anschluss ist eine Telemetrie-Messeinrichtung mit hoher Messfrequenz erforderlich.

  • Organisatorisch: Die Gruppe gründet eine juristische Person, die gegenüber dem Netzbetreiber als Vertragspartner auftritt. Denkbar ist etwa eine Energiegenossenschaft oder eine eigens gegründete Gesellschaft. Eine gegenseitige Vereinbarung ist verpflichtend, mit Regelungen zur Kapazitätsverteilung, Haftung sowie zum Ein- und Austritt von Teilnehmern.

  • Operativ: Ein Energiemanagementsystem (EMS), das in Echtzeit steuert, Erzeugung und Verbrauch aufeinander abstimmt und sicherstellt, dass die Gruppenleistung nicht überschritten wird. Das ist nicht optional. Jeder niederländische Netzbetreiber setzt es als Voraussetzung.

Der RVO-Leitfaden für Energiehubs (auf Niederländisch) beschreibt den vollständigen Weg von der Erkundung bis zur Umsetzung.

Warum ein EMS für die niederländische GTO verpflichtend ist

Der Netzbetreiber prüft vorab, ob die Gruppe garantieren kann, dass die kontrahierte Leistung nicht überschritten wird. Ohne funktionierendes EMS ist diese Garantie nicht zu erbringen.

Stedin formuliert es so: Ein EMS nutzt intelligente Software, die auf Basis von Echtzeitdaten und Steuersignalen Erzeugung, Speicherung und Verbrauch innerhalb der verfügbaren Kapazität koordiniert. Enexis, Liander und Coteq stellen vergleichbare Anforderungen.

Was das in der Praxis bedeutet: Das EMS muss jederzeit wissen, wie viel Leistung jeder Teilnehmer bezieht, wie viel die Photovoltaikanlagen liefern, wie viel der Batteriespeicher beitragen kann und ob Spielraum für die nächste Ladesitzung besteht. Wenn die Gruppengrenze in Sicht kommt, muss das System automatisch eingreifen. Nicht in einer Viertelstunde. Sofort.

Am Kempisch Bedrijvenpark in Bladel funktioniert genau das. Fünf Unternehmen schlossen als Erste eine niederländische GTO mit Enexis ab. Die Gruppe ist inzwischen auf achtzehn Teilnehmer angewachsen. Tibo EMS überwacht die kontrahierte Gruppenleistung von 5 MW, verteilt Kapazität dynamisch zwischen den Teilnehmern und aktiviert bei Lastspitzen gemeinsam genutzte Assets wie den Batteriespeicher und die KWK-Anlage.

Die Kostenverteilung erfolgt über das ROCC-Modell: eine Basisschicht für gemeinsame Gemeinkosten, eine Handelsschicht für den Kauf und Verkauf von Kapazität innerhalb des Hubs und eine Asset-Schicht für die Nutzung gemeinsamer Hardware. Das EMS berechnet und fakturiert dies automatisch.

Wo steht die niederländische GTO heute?

Die rechtliche Grundlage steht. Im Dezember 2025 veröffentlichte die ACM den endgültigen Codebeschluss der ACM, mit dem die niederländische GTO in den niederländischen Stromnetzkodex aufgenommen wurde. Bis spätestens 1. Juli 2026 veröffentlichen die Netzbetreiber ihre Prüfprotokolle. Ab dem 1. Januar 2027 sind sie verpflichtet, die niederländische GTO als Vertragsmodell anzubieten.

Die niederländische Regierung strebt 20 bis 50 niederländische GTOs im Jahr 2026 und 30 bis 60 im Jahr 2027 an. Diese Zahlen sind ambitioniert. Netbeheer Nederland (der Verband der niederländischen Netzbetreiber) warnt, dass die niederländische GTO ein komplexes Produkt mit technischen, rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen ist. Gewerbegebiete, die jetzt mit den Vorbereitungen beginnen, sind am besten positioniert, um zu den Ersten zu gehören.

Die niederländische GTO kann in Zukunft mit anderen Instrumenten wie Engpassmanagement und alternativen Transportrechten kombiniert werden. Das niederländische Energiegesetz, das parallel umgesetzt wird, stärkt die rechtliche Basis für Energiehubs.

Passt eine niederländische GTO zu Ihrem Gewerbegebiet?

Eine niederländische GTO ist relevant für Gewerbegebiete, auf denen mehrere Großverbraucher an die Grenzen ihres Netzanschlusses stoßen, auf denen Unternehmen auf der Warteliste für zusätzliche Kapazität stehen oder auf denen sich kollektive Investitionen in Erzeugung und Speicherung nur rechnen, wenn die Kapazität vertraglich geteilt wird.

Es handelt sich nicht um eine Standardlösung. Der Weg von der Erkundung bis zur funktionierenden niederländischen GTO dauert in der Regel ein bis drei Jahre. Für Gewerbegebiete, die bereits zusammenarbeiten oder bereits einen Energiehub erkunden, ist die niederländische GTO jedoch das vertragliche Bindeglied, das den Unterschied macht zwischen einem guten Plan und einem funktionierenden System.

Möchten Sie wissen, was eine niederländische GTO konkret für Ihr Gewerbegebiet bringt? Wir simulieren auf Basis des tatsächlichen Energieprofils Ihres Standorts, wie viel Kapazität Sie freisetzen, wie viel Sie sparen und wie schnell sich die Investition amortisiert. Simulation anfragen.

Häufig gestellte Fragen zur niederländischen GTO

Beim Cable Pooling teilen sich Unternehmen einen physischen Kabelanschluss. Bei der niederländischen GTO behält jedes Unternehmen seinen eigenen physischen Anschluss, der Transportvertrag wird jedoch geteilt. Eine niederländische GTO erfordert keine physischen Änderungen am Netz, lediglich einen anderen Vertragstyp und ein EMS, das die Verteilung regelt.

Die gegenseitige Vereinbarung muss Regeln für den Austritt enthalten. Die ACM hat festgelegt, dass eine optionale Übergangsperiode von maximal drei Jahren gilt. Wird die niederländische GTO beendet oder tritt ein Teilnehmer aus, kann auf die ursprüngliche individuelle Vertragsleistung zurückgegriffen werden.

Die juristische Person erhält eine gemeinsame Rechnung für die Transportnutzung, basierend auf der Gruppenleistung. Anschlusskosten bleiben pro Unternehmen bestehen. Der zuvor vorgeschlagene Aufschlag von Faktor 1,21 wurde von der ACM gestrichen: Es fällt keine Prämie für das gemeinsame Kontrahieren an.

Am Kempisch Bedrijvenpark dauerte der Prozess drei Jahre vom ersten Konzept bis zum funktionierenden Hub. Die Dauer hängt stark von der Anzahl der Teilnehmer, der juristischen Vorbereitung und der Verfügbarkeit von Energieprofildaten ab.

Ja, die ACM sieht vor, dass die niederländische GTO in Zukunft mit Instrumenten wie Engpassmanagement und alternativen Transportrechten kombiniert werden kann. Die Umsetzung erfolgt parallel zur Einführung der niederländischen GTO.

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