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Nach vier Jahren als CEO gibt Remco die operative Leitung an Christiaan van der Waal ab. Er selbst bleibt als Smart Grids Director eng eingebunden, in einer strategischen Wachstumsrichtung, auf die er seinen Unternehmergeist und sein Fachwissen vollständig richten kann.

„Es geht nicht um mich“, erklärt Remco. „Es geht um das Unternehmen. Man muss sehen, was das Unternehmen in diesem Moment braucht.“ Diese Überzeugung bildet die Grundlage für den Führungswechsel bei Tibo Energy.

Veränderte Anforderungen

Als Tibo Energy 2022 gegründet wurde, lag der Fokus vor allem darauf, ein Produkt zu bauen und einen Platz in einem sich schnell verändernden Energiemarkt zu finden. In vier Jahren ist daraus ein vollwertiges Energy Management System (EMS) geworden, das rund 150 Unternehmen täglich einsetzen, um Batterien, Photovoltaikanlagen und Ladeinfrastruktur intelligent zu steuern. Unter anderem Lidl, Intratuin, DHL und Thermofisher arbeiten mit Tibo EMS.

Damit veränderten sich auch die Anforderungen, erzählt Remco. „In den ersten Jahren ging es um Pionierarbeit, um Experimente und darum, neue Märkte zu erschließen. Jetzt verschiebt sich die Aufmerksamkeit auf das Skalieren.“ Das erfordert andere Entscheidungen und damit auch eine andere Führung. „Als Unternehmer weiß ich inzwischen, wo meine Stärke liegt. Ich finde es großartig, etwas von null aufzubauen. Aber irgendwann verändert sich die Rolle des CEO. Plötzlich geht es immer stärker um Struktur, Prozesse und Skalierung. Eigentlich wusste ich schon bei der Gründung, dass dieser Moment irgendwann kommen würde. Die Frage war auch nicht, ob ich den Staffelstab weitergebe, sondern wann.“

Remco/Chris

Offenheit vom ersten Gespräch an

Dieser Moment ist jetzt gekommen. Gemeinsam mit den Investoren suchte Tibo Energy einen neuen CEO, der den eingeschlagenen Kurs weiter ausbauen kann. Diese Suche führte Christiaan van der Waal zu Tibo. Seine Laufbahn spielte sich vollständig in der Tech-Welt ab.

Bei FedEx baute er das Produkt- und Tech-Team auf, das das weltweite Online-Versandgeschäft von TNT und FedEx gestaltete, eine Plattform, die Hunderttausende Unternehmen weltweit bedient und Milliarden an Online-Umsatz erwirtschaftet. Danach trat er beim B2B-SaaS-Unternehmen Relay42 ebenfalls die Nachfolge eines Founders an und bereitete das Unternehmen auf die nächste Wachstumsphase und einen Exit vor. Diese Erfahrung fiel auf, und Christiaan wurde zu einem Gespräch eingeladen.

Bei seiner Ankunft zeigte sich, dass Begeisterung und Interesse durchweg gegenseitig waren. „Was mir vom ersten Gespräch an auffiel, war die Offenheit von Remco“, erzählt Christiaan. „Er wusste schon länger, dass ein Moment kommen würde, an dem jemand anders das Unternehmen weiterbringt. Wenn jemand mit dieser Selbstreflexion und Offenheit arbeitet, weiß man eigentlich sofort, dass dort eine gute Zusammenarbeit möglich ist.“

Dieselbe Offenheit sah er auch im Team. In seinen ersten Gesprächen mit Mitarbeitenden fiel ihm auf, dass die Kollegen sich gegenseitig fordern und kritisch auf die eigene Arbeit schauen. „Das findet man nicht überall. Hier sagen die Leute ehrlich, was gut läuft, aber auch, was besser werden kann. Das ist eine Kultur, die man behalten will, wenn das Unternehmen weiter wächst.“

Die Zusammenarbeit der beiden endet deshalb auch nicht mit der Übergabe des CEO-Titels. Im Gegenteil: Remco bleibt eng in die Strategie eingebunden und widmet sich vollständig Smart Grids und Energiehubs, also komplexen Energiesystemen, in denen mehrere Unternehmen ihre verfügbare Kapazität gemeinsam intelligent nutzen.

Genau diese Kombination macht die Rolle für Christiaan so besonders und so interessant. „In meiner vorherigen Rolle konnte der Founder nach der Übergabe deutlich weniger eingebunden bleiben. Hier kann ich auf dem Wissen und der Erfahrung von jemandem aufbauen, der das Unternehmen von Tag eins an aufgebaut hat. Das ist außerordentlich wertvoll.“

Die Niederlande als Sprungbrett

Christiaan: „Die Niederlande gehören zu den Ländern, in denen Netzengpässe besonders dringend sind. Unternehmen sind dadurch gezwungen, intelligenter mit ihrem bestehenden Netzanschluss umzugehen. Aus dieser Notwendigkeit entsteht aber eine Innovationskraft, durch die das, was hier entwickelt wird, vielen anderen europäischen Märkten vorausläuft.“

Die Ambition reicht deshalb weit über den niederländischen Markt hinaus. „Was wir in den Niederlanden entwickeln, wird in den kommenden Jahren auch in anderen Ländern relevant. Das gibt uns eine besondere Ausgangsposition. Das Ziel ist deshalb, zur vertrauten Adresse für Energiemanagement in Europa zu werden. Nicht indem wir einfach schneller wachsen, sondern indem wir schärfere Entscheidungen treffen und als Unternehmen erwachsen werden.“

Remco/Chris

Mut zur Entscheidung

Erwachsen werden als Unternehmen bedeutet für Remco auch: klare Ziele setzen und nicht länger allem gleichzeitig nachlaufen können. „Man muss den Mut haben zu wählen. In der Anfangsphase probiert man viel: Man will verschiedene Märkte bedienen und Chancen prüfen. Aber es kommt ein Moment, in dem man Farbe bekennen muss. Dann muss man ganz deutlich machen, wofür Kunden zu Tibo Energy kommen sollen.“

Genau dort sieht er auch den Unterschied zwischen sich und seinem Nachfolger. „Wo ich als Unternehmer von Natur aus überall Chancen sehe, bringt Christiaan sie auf eine knappe Zahl strategischer Prioritäten zurück. Ich finde es beachtlich, dass er das kann. Meine Liste ist immer viel länger. Genau deshalb ist er die richtige Person für diese Phase.“

Christiaan sieht für sich vor allem zwei große Aufgaben. „Die erste ist, das Produkt zur ersten Wahl für Unternehmen zu entwickeln, die ihr Energiemanagement über mehrere Sites hinweg standardisieren wollen. Die zweite ist die internationale Expansion. Das Produkt hat sich bewiesen. Jetzt müssen wir die Organisation und den kommerziellen Motor darum herum aufbauen.“

Die Ambitionen bleiben groß

Das Managementteam arbeitet derzeit am Kurs für 2030. Der Punkt am Horizont ist klar: Tibo Energy soll zur vertrauten Adresse für Energiemanagement in Europa werden. Nicht nur mit einem starken Produkt, sondern auch mit einer Organisation, die das Wachstum trägt.

Remco blickt sogar noch etwas weiter nach vorn. „Der europäische Markt ist immer noch zersplittert, mit vielen kleinen Anbietern, die jeweils einen Teil des Puzzles lösen. Ich erwarte, dass in den kommenden Jahren eine Übernahmewelle einsetzt. Meine Ambition ist, dass Tibo darin eine führende Rolle spielt.“

Diese Ambition ist groß, das räumt auch Christiaan ein. Sie beginnt seiner Ansicht nach aber nicht bei Übernahmen oder Marktanteilen, sondern beim Aufbau der richtigen Organisation. „Wir haben Gold in der Hand“, sagt er. „Das Produkt ist bewiesen, wir haben außerordentlich viel Wissen aufgebaut, und das Team ist enorm engagiert. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass all dieses Wissen und diese Erfahrung auch im großen Maßstab zur Geltung kommen.“

Remco/Chris

Die neue Rollenverteilung zeigt, dass Tibo Energy in eine nächste Phase geht. Der eine hat das Unternehmen in den ersten vier Jahren mit aufgebaut, der andere soll es nun zu einem europäischen Anbieter machen. Nicht als Nachfolger des jeweils anderen, sondern als zwei Führungskräfte, die jeweils aus ihrer eigenen Stärke auf genau dasselbe Ziel hinarbeiten.

Text Paul Geraedts | Fotografie Loraine Bodewes

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