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Ihre Elektrofahrzeuge stehen einen Großteil des Tages still. An der Ladestation, auf dem Betriebshof, auf dem Parkplatz. Die Batterien sind voll oder zumindest nicht leer. Beim herkömmlichen Laden ist das brachliegende Kapazität: Strom fließt hinein und bleibt dort. Bidirektionales Laden kehrt den Fluss um. Die Energie kann nicht nur in die Batterie hinein, sondern auch wieder heraus. Damit wird jedes parkende Fahrzeug zu einer potenziellen Energiequelle für Ihr Gebäude, Ihr Gewerbegebiet oder sogar das öffentliche Stromnetz.

TL;DR

Bidirektionales Laden ermöglicht es Elektrofahrzeugen, Strom zurückzuspeisen statt ihn nur aufzunehmen. Das eröffnet Möglichkeiten, die weit über den Transport hinausgehen.

  • Bei V2B (Vehicle-to-Building) versorgt das Fahrzeug Ihr Gebäude, wodurch Sie Lastspitzen glätten und Netzentgelte senken.
  • Bei V2G (Vehicle-to-Grid) speisen Sie ins öffentliche Netz ein und können über Flexibilitätsmärkte Erlöse erzielen.
  • Die Technik erfordert eine bidirektionale Ladestation, ein geeignetes Fahrzeug und einen Kommunikationsstandard (ISO 15118-20), der beide Richtungen unterstützt.
  • Ohne zentrale Steuerung agiert jedes Fahrzeug für sich. Erst mit einem EMS wird bidirektionales Laden zu einer koordinierten Strategie.
  • Die Wirtschaftlichkeit verbessert sich, je stärker Netzengpässe zunehmen, dynamische Tarife zum Standard werden und die Batteriekapazität in Fahrzeugen wächst.

Bidirektionales Laden ist kein Zukunftskonzept. Die Technik funktioniert, die Standards existieren und die ersten Unternehmen setzen es bereits ein.

Was ist bidirektionales Laden?

Bidirektionales Laden bedeutet, dass ein Elektrofahrzeug nicht nur Strom aus dem Netz aufnimmt, sondern ihn auch zurückspeisen kann. Der Energiefluss verläuft in zwei Richtungen: vom Netz zur Batterie und von der Batterie zurück zu einem Gebäude, einem lokalen Energiesystem oder dem öffentlichen Stromnetz.

Beim herkömmlichen (unidirektionalen) Laden ist das Fahrzeug ausschließlich Verbraucher. Die Ladestation liefert Strom, die Batterie nimmt ihn auf, fertig. Bidirektionales Laden fügt eine zweite Funktion hinzu: Das Fahrzeug wird auch zur Energiequelle. Die Batterie, die normalerweise nur Kilometer liefert, kann nun auch Kilowattstunden an andere Verbraucher am selben Standort liefern.

Das Prinzip ist vergleichbar mit einem stationären Batteriespeicher, allerdings mobil. Ein elektrischer Lkw mit einer Batterie von 300 bis 600 kWh verfügt über mehr Speicherkapazität als manches stationäre Batteriesystem. Ein Fuhrpark von zwanzig Fahrzeugen repräsentiert schnell mehrere Megawattstunden an verfügbarer Kapazität, sofern diese Kapazität zum richtigen Zeitpunkt zugänglich ist.

Batterijopslagsysteem naast een industriële productiehal met elektrische bestelbussen aan de laadpaal

Die Varianten: V2B, V2G, V2L und V2X

Bidirektionales Laden ist ein Sammelbegriff. Die Anwendungen unterscheiden sich darin, wohin der zurückgespeiste Strom fließt.

  • V2B (Vehicle-to-Building) behält den Strom hinter Ihrem eigenen Zähler. Das Fahrzeug speist zurück in das Gebäude oder den Ladepark, an dem es steht. Das ist die direkteste Anwendung: Sie glätten Lastspitzen mit der Fahrzeugbatterie statt mit Netzstrom. Kein Export, keine Abstimmung mit dem Netzbetreiber. Für viele Unternehmen ist V2B der logische erste Schritt.
  • V2G (Vehicle-to-Grid) geht einen Schritt weiter. Hier speist das Fahrzeug Strom in das öffentliche Netz zurück. Das ermöglicht den Handel: Sie können Flexibilität in Zeiten von Netzknappheit anbieten und erhalten dafür eine Vergütung. V2G erfordert allerdings einen Vertrag mit einem Energieversorger oder Aggregator sowie eine Abstimmung mit dem Netzbetreiber.
  • V2L (Vehicle-to-Load) ist die kleinste Variante. Das Fahrzeug versorgt ein Gerät oder eine temporäre Anlage über eine Steckdose am Fahrzeug selbst. Nützlich auf einer Baustelle oder bei einer Veranstaltung, aber für den strukturellen Geschäftseinsatz begrenzt.
  • V2X (Vehicle-to-Everything) ist das übergreifende Konzept, das alle diese Varianten umfasst. In der Praxis verwenden Hersteller und politische Entscheidungsträger V2X, wenn sie das breite Potenzial des bidirektionalen Ladens meinen, unabhängig von der konkreten Anwendung.

Für die meisten geschäftlichen Anwendungen sind V2B und V2G am relevantesten. V2B liefert direkte Einsparungen bei den Energiekosten. V2G fügt eine Einnahmequelle hinzu, bringt aber auch mehr Komplexität bei Verträgen und Koordination mit sich.

Was brauchen Sie für bidirektionales Laden?

Bidirektionales Laden erfordert drei Komponenten, die aufeinander abgestimmt sind: das Fahrzeug, die Ladestation und die Kommunikationsschicht dazwischen.

  • Ein geeignetes Fahrzeug. Nicht jedes Elektrofahrzeug kann Strom zurückspeisen. Batterie, Wechselrichter und Fahrzeugsoftware müssen die Rückspeisung unterstützen. Das Angebot wächst, unterscheidet sich aber erheblich je nach Hersteller und Modell. Beim Kauf oder Leasing sollten Sie die Spezifikationen in diesem Punkt gezielt prüfen.
  • Eine bidirektionale Ladestation. Eine herkömmliche intelligente Ladestation liefert Strom in nur eine Richtung. Für bidirektionales Laden benötigen Sie eine Ladestation mit integriertem Wechselrichter, der den Energiefluss in beide Richtungen ermöglicht. Diese Ladestationen sind teurer als unidirektionale Alternativen, die Mehrkosten sinken jedoch mit zunehmendem Angebot.
  • Kommunikation über ISO 15118-20. Ladestation und Fahrzeug müssen über Richtung und Leistung des Energieflusses kommunizieren. Der Standard dafür ist ISO 15118-20, der speziell die bidirektionale Kommunikation unterstützt. Die europäische AFIR-Verordnung schreibt vor, dass neu installierte DC-Ladepunkte in der EU technisch auf diesen Standard vorbereitet sein müssen.

Was bringt bidirektionales Laden Unternehmen?

Die Wirtschaftlichkeit des bidirektionalen Ladens variiert je nach Situation, dreht sich aber im Kern um drei Dinge: Spitzenlastsenkung, Flexibilitätswert und aufgeschobene Investitionen.

  • Lastspitzen glätten. In Momenten, in denen Ihr Gebäude oder Betriebshof viel Strom verbraucht, kann eine Fahrzeugbatterie einspringen. Das senkt Ihre Spitzenbelastung am Netz und damit Ihre Netzentgelte. Der Mechanismus ist identisch mit Peak Shaving über einen stationären Speicher, nur dass Sie Kapazität nutzen, die bereits vorhanden ist.
  • Flexibilität vermarkten. Mit V2G können Sie Strom zurückspeisen, wenn das Netz knapp ist. Dafür erhalten Sie eine Vergütung. Diese Vergütung wächst, je mehr Netzengpässe auftreten und die Nachfrage nach Flexibilität steigt. Ihr Fuhrpark wird zu einem Asset, das nicht nur fährt, sondern auch verdient, wenn es steht.
  • Netzausbau aufschieben. Unternehmen, deren Energiebedarf wächst (mehr Ladepunkte, mehr Produktion, mehr Kühlung), stoßen an die Grenzen ihres Netzanschlusses. Bidirektionales Laden verschafft zusätzlichen Spielraum: Statt einen größeren Netzanschluss zu beantragen, setzen Sie die Speicherkapazität Ihrer Fahrzeuge ein, um Lastspitzen lokal aufzufangen. Das spart Wartezeit und Investitionskosten.

Der Wert hängt unmittelbar davon ab, wie gut Sie die Rückspeisung koordinieren. Ein einzelnes Fahrzeug, das gelegentlich zurückspeist, ist ein interessantes Experiment. Ein gesamter Fuhrpark, der koordiniert lädt und rückspeist, abgestimmt auf Energiepreise, Verbrauchsmuster und Netzkapazität, ist ein ernstzunehmender finanzieller Hebel.

Warum bidirektionales Laden ohne Steuerung nicht funktioniert

Bidirektionales Laden auf einem Betriebshof oder Firmengelände einzuführen, ist nicht einfach eine Frage der richtigen Ladestationen. Ohne zentrale Steuerung fehlt die Koordination.

Ein Fahrzeug, das zurückspeist, während ein anderes gleichzeitig lädt, verursacht unnötig hohe Ströme in Ihrem internen Netz. Ein Fahrzeug, das morgens Strom abgegeben hat und dann für die geplante Tour nicht ausreichend geladen ist, wird zum operativen Problem. Und ein Fuhrpark, der unkoordiniert ins Netz zurückspeist, erzielt weniger Flexibilitätserlöse als einer, der kollektiv zum richtigen Zeitpunkt reagiert.

Hier kommt Energiemanagement ins Spiel. Ein EMS, das Ihre Fahrzeuge, Ladestationen, Photovoltaikanlagen und gegebenenfalls Batteriespeicher als ein System steuert, bestimmt in jedem Moment die optimale Verteilung: Welches Fahrzeug lädt, welches speist zurück und wie viel Leistung in jede Richtung fließt. Das System berücksichtigt Abfahrtspläne, Energiepreise, den Status Ihres Netzanschlusses und den Ladezustand jedes einzelnen Fahrzeugs.

Tibo Energy arbeitet mit Logistikunternehmen wie Lidl, GXO, Van den Broek Logistics und LVS an genau dieser Aufgabe: der intelligenten Koordination von dynamischem Laden auf Betriebshöfen, auf denen die Netzkapazität begrenzt ist und jede Kilowattstunde zählt.

Erfahren Sie, was bidirektionales Laden an Ihrem Standort bringt

Möchten Sie wissen, was bidirektionales Laden in Kombination mit einem EMS an Ihrem Standort leistet? Demo anfragen und wir zeigen Ihnen, wie es in der Praxis aussieht.

Häufig gestellte Fragen

Smart Charging steuert den Zeitpunkt und die Leistung, mit der ein Fahrzeug geladen wird, beispielsweise auf Basis von Energiepreisen oder verfügbarer Netzkapazität. Der Strom fließt dabei in nur eine Richtung: vom Netz zur Batterie. Bidirektionales Laden fügt die entgegengesetzte Richtung hinzu: Das Fahrzeug kann auch Strom abgeben. Smart Charging ist damit eine Voraussetzung für bidirektionales Laden, und in der Praxis laufen beide in einem System zusammen.

Zusätzliche Lade- und Entladezyklen verursachen Verschleiß, aber die Auswirkung hängt stark von der Steuerung ab. Flache, gut getimte Zyklen haben einen begrenzten Einfluss auf die Batterielebensdauer. Ein EMS, das den Ladezustand und das Nutzungsprofil jedes Fahrzeugs berücksichtigt, begrenzt die Degradation auf ein Niveau, das für die meisten geschäftlichen Anwendungen akzeptabel ist.

Nein. Das Fahrzeug muss sowohl die Hardware (einen Wechselrichter, der in beide Richtungen arbeitet) als auch die Software an Bord haben, die die Rückspeisung unterstützt. Das unterscheidet sich erheblich je nach Hersteller und Modell. Das Angebot wächst, unter anderem weil ISO 15118-20 breit übernommen wird, aber prüfen Sie beim Kauf oder Leasing immer die Spezifikationen.

Ja. Eine herkömmliche intelligente Ladestation kann nur Strom liefern, nicht aufnehmen. Für bidirektionales Laden benötigen Sie eine Ladestation mit bidirektionalem Wechselrichter. Die AFIR-Verordnung schreibt vor, dass neu installierte DC-Ladepunkte in der EU auf bidirektionale Kommunikation vorbereitet sein müssen.

Bei V2B bleibt der zurückgespeiste Strom hinter Ihrem eigenen Zähler: Das Fahrzeug versorgt Ihr Gebäude oder Ihren Ladepark. Bei V2G geht der Strom ins öffentliche Netz, was den Handel auf Flexibilitätsmärkten ermöglicht, aber auch eine Abstimmung mit dem Netzbetreiber und einen passenden Vertrag erfordert. Viele Unternehmen beginnen mit V2B aufgrund der geringeren Komplexität und erweitern auf V2G, wenn Volumen und Verträge dies rechtfertigen.

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